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Bautz'ner Senf (mittelscharf)


bautzner senfWas hat uns die Wende nicht alles beschert. Club-Cola, Rotkäppchen Sekt, den Trabant, Angela Merkel und Gregor Gysi, um nur einiges zu nennen. So richtig durchsetzen konnte sich davon allerdings nichts, auch wenn Letztgenannter immerhin einen gewissen Unterhaltungsfaktor besitzt und Leben in die politische Landschaft bringt. Um fair zu bleiben, muss an dieser Stelle auch die Thüringer Bratwurst, die Spreewaldgurke und der grüne Pfeil genannt werden, die mittlerweile einen festen Platz in der Gesellschaft inne haben. Besonders das kleine Verkehrsschild ist eine echte Errungenschaft, die ich nicht mehr missen möchte, auch wenn es noch an viel zu wenig Ampeln befestigt ist. Die Amerikaner kommen übrigens auch ohne dieses Zeichen aus und biegen ohne weitere Probleme an jeder roten Ampel rechts ab, wenn es der Verkehrsfluss erlaubt. Aber das ist ein anderes Thema. Doch nun zum Highlight ehemals ostprovinzieller Produkte, den Bautz'ner Senf.

Ich erinnere mich gut, als ich das erste Mal die frisch geöffnete innerdeutsche Grenze überrollte und am ersten Autobahnparkplatz abfuhr, nachdem mich ein Hinweisschild auf „Bratwurst vom Holzkohlengrill“ dazu genötigt hatte. Da stand tatsächlich ein (damals noch) DDR-Bürger mit einem Gartengrill und hielt frisch geröstete Thüringer (Bratwurst, nicht Bürger) feil. Dazu gab es einen Senf, der optisch nicht an Senf erinnerte und geschmacklich weit von dem entfernt war, was der gemeine West-Gaumen als Senf deklariert hätte. Ich gehe davon aus, dass es sich um ein mittlerweile zurecht vom Markt genommenes Mitbewerberprodukt gehandelt hat. Trotzdem war mein Verlangen nach Ost-Senf fürs erste versiegt und das mir, als bekennenden Senf-Aficionado, der aus alle Destinationen seiner Reisetätigkeit ein Tübchen lokalen Senfs mitgebracht hat.

Aber wie heißt es so schön: Die Zeit heilt alle Wunden. Und so kam es, dass mir vor geraumer, ebendieser Zeit ein Tütchen Bautz'ner in die Hände fiel, dessen Inhalt in Ermangelung mir bekannter Alternativen auf einer Bratwurstsemmel (aka. Bratwurstbrötchen) landete. Und dann war es um mich geschehen. Ein Geschmack, wie ich ihn bei den Mittelscharfen weder von Develey, Thomy, Löwensenf, etc. jemals erlebt habe. Schwer zu beschreiben, außer mit dem Wort „einmalig“. So wird es sie, liebe Leser (m/w) auch nicht verwundern, dass mir fortan nur sehr ungern etwas anderes auf die Wurst kommt. Oder auf die Bulette (aka. Fleischküchle oder Frikadelle). Oder in die Roulade. Einzig bei Leberkäs' mache ich hin und wieder eine Ausnahme, da geht nämlich auch süßer Senf, bevorzugt der von der Firma Händlmaier. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

Erwähnt seien noch die Darreichungsformen dieses Mostrichs. Es gibt ihn im handlichen Portionsbeutel, in der Tube (100ml), im Glas (200ml), im kleinen Eimerchen (200 ml, siehe Bild) oder in der 1000ml Familienflasche (mein Favorit). Und besonders schön daran ist, keines dieser Gebinde kostet mehr als 2,00 €. Nicht mal die große Flasche.

Mein persönliches Fazit:

Wer Senf mag, der sollte dieses Produkt unbedingt einmal probieren. Wer keinen Senf mag, der hat mit Sicherheit nicht bis hier unten gelesen und verpasst den folgenden Satz: Wer denkt, Bautzen sei nur wegen seines Stasi-Gefängnisses berühmt, der ist nun eines Besseren belehrt!

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Bautz'ner Senf ist im gut sortierten Lebensmittelfachhandel erhältlich.

Frisch getwittert!

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