probierstuebchen logo

Ben & Jerry's Eis „Oh my! Apple Pie!“


ben jerry apple pie„An apple a day keeps the doctor away“, sagt der Angelsachse und futtert fleißig dieses Kernobstgewächs namens Apfel. Sofern er in Nordamerika angesiedelt ist, dürfte das auch Sinn machen, die gesetzliche Krankenkasse ist dort ja nicht allzu weit verbreitet. Und wenn man mit Obstessen teure Arztkosten vermeiden kann, warum nicht. Ob nun aber Apfelkuchen oder, um zum heutigen Probier-Produkt zu kommen, Apfelkucheneis die Gesundheitsgötter milde stimmt, steht auf einem anderen Zettel. Gehen wir einfach wohlwollend davon aus. Schon alleine deswegen um eine passende Überleitung zu Ben & Jerry's „Oh my! Apple Pie!“ Eiscreme zu finden.

Bei Speiseeis verhält es sich bei mir genauso wie mit Äpfeln. Hin und wieder gerne, muss aber nicht unbedingt sein. Außerdem bin ich nicht auf einen täglichen Apfel angewiesen. Ich bin nämlich privat versichert! Zum einen, weil ich selbstständig bin und zum anderen, weil man beim Arztbesuch direkt auf „LOS“ (Sprechzimmer) vorrücken darf und nicht erst ins „Gefängnis“ (Wartezimmer) gehen muss. Doch zurück zum Eis.

Der oben bereits angesprochene Stoff wird nicht etwa in den USA, sondern in den Niederlanden (aka. Holland) hergestellt, ein Land, das ja für seine herausragende Speiseeiskunst weltweit bekannt ist. Oder waren das die Pommes? Und kommen die nicht aus Belgien? Egal, es handelt sich dabei um eine Fertigung, die für das amerikanische Mutterunternehmen alles herstellt, was in Europa so verdrückt wird. Nach vorgegebenem Originalrezept versteht sich. Streng genommen könnten das also auch die Italiener. Und bevor ich lange drum herum rede, es ist mir absolut egal, wo das Zeug zusammengeklöppelt wird, es schmeckt einfach himmlisch. Punkt!

Ein paar Haare finden sich dann allerdings doch in dieser Suppe. Konkreter gesagt: kleine Stücke Kuchenränder (auf die Gesamtmenge gerechnet 5%, so steht es auf der Firmen-Webseite zu lesen), die jedoch absichtlich im Eis versenkt wurden. Grundsätzlich wäre das nicht weiter schlimm - der Rand gehört nun mal zum Kuchen - wenn die Dinger nicht offensichtlich handgefönt den Weg in das Frostgut gefunden hätten. Diese Teile sind dermaßen furztrocken, wie man es sonst nur von Salatcroutons oder vom Bundeswehr-Hartkeks* kennt. (* Kekssorte, die gegen Nässe und Zerbrechen relativ unempfindlich ist. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Hartkeks) Das geht gar nicht! Und um einen plötzlichen Erstickungstod durch Feinstaub und Brösel zu vermeiden, bleibt einem nur, großräumig um die Mini-Minen herumzuessen oder diese, sollten sie trotzdem im Mund gelandet sein, frühzeitig wieder auszuspucken.

Desweiteren befindet sich auf der Verpackung das gut sichtbare „Fairtrade“-Logo, was dem Käufer, also mir, das gute Gefühl gibt, dass hier keine Ausbeutermethoden angewandt werden, um möglichst viel Reibach auf Kosten anderer zu machen. Mir hat dieses Abzeichen suggeriert, dass sowohl der Mann mit dem Föhn anständig entlohnt wird als auch sonst alles im grünen Bereich liegt. Das 500-ml-Kübelchen kostet immerhin stolze 5,79 €, die man aber gerne bezahlt, wenn am Ende sämtliche Beteiligten glücklich sind.

Aber dann habe ich ein bisschen genauer hingesehen und bin darauf gestoßen, dass lediglich der mengenmäßig nur im Promillebereich verwendete Zimt mit dem Begriff „Fairtrade“ versehen ist. Pardauz. Die Äpfel werden also wahrscheinlich von afro-niederländischen Zwangsarbeitern in 16-Stundenschichten gepflückt, während die Milch von in dunklen Kellern, in 3-stöckig gestapelten Mini-Käfigen, gehaltenen Kühen stammt, die von den Frauen der Apfelpflücker in unbezahlter Fronarbeit nahezu rund um die Uhr gemolken werden. Und in ihrer Freizeit werden die dann sicherlich auch noch gezwungen, den Fön auf die Kuchenränder zu halten! Pfui sag ich da nur.

Damit aber wenigstens ich selbst fair bleibe, möchte ich die Schuld nicht ausschließlich auf die beiden Firmengründer Ben Cohen und Jerry Greenfield (nicht zu verwechseln mit Jerry Seinfeld) schieben. Die haben nur getan, was offensichtlich erlaubt ist. Ein bisschen mehr für Zimt bezahlen und dafür das ganze Produkt mit „Fairtrade“ bekleben. Daher mein Appell an die Verbraucherschutzministerin: Frau Aigner, hier braucht es dringend einen 10-Punkte-Plan!

Mein persönliches Fazit:

Geschmacklich über jeden Zweifel erhaben, auch die bisher nicht erwähnten kleinen Apfelstückchen sind deliziös. Wenn man nun noch auf die Fairtrade-Etikettierung und die steinharten Kuchenränder verzichten würde, könnte man den Preis sicherlich signifikant senken und die Föhnhalterinnen hätten wenigstens zwei oder drei Stunden am Tag um sich den vom Melkschemel gekrümmten Rücken wieder geradezubiegen.

4 von 6
4 von 6 Jublern

Die 500-ml-Packung Ben & Jerry's „Oh my! Apple Pie!“ bekommt man im Lebensmittelfachhandel für knapp 6,-- €.

 

Frisch getwittert!

Facebook Fans