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100 Cent Briefmarke „Tränendes Herz“


briefmarke traenendes herzDer gesunde Mensch hat 32 Zähne. Sofern man in der Schule aufgepasst hat, dürfte das hinlänglich bekannt sein. Der Leibnitz Butterkeks hingegen ist nur echt mit 52 Zähnen. Ob man bei Zollkontrollen schon in China gefälschte Kekse mit 51, 53 oder sogar 54 Zähnen entdeckt hat, ist mir unbekannt, hat aber auch rein gar nichts mit dem Produkt zu tun, dass ich heute einmal etwas genauer unter die Lupe nehme. Allerdings geht es auch hier um Zähne. Und jetzt halten sie sich fest. Es hat mehr Zähne als die beiden erstgenannten Beispiele zusammen, nämlich exakt 90 Stück! Ja ich habe sie gezählt. Zwei Mal! Und als wäre das nicht genug, sind diese Zähne auf einer Fläche von nur 21,5 x 30,13 mm so geschickt angebracht, dass sie sich nicht gegenseitig berühren und 1A-Zahnzwischenräume besitzen, in denen sich so gut wie nichts festsetzen kann. Jede handelsübliche Zahnbürste hat hier leichtes Spiel. Kariesbildung ist also ausgeschlossen. Die Rede ist von der 100-Cent, oder nennen wir es das Pferd beim Namen, der 1€-Briefmarke „Tränendes Herz“.

Auch wenn der Erstausgabetag bereits am 13. Juli 2006 war, so bin ich erst vor Kurzem auf diese Marke gestoßen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Deutsche Post AG, die durch eine Portoerhöhung dafür gesorgt hat, dass diese zugegeben optisch sehr gelungene Briefmarke den Weg in unser Heim gefunden hat. Früher kostete das, was wir damit versenden, nämlich schlappe 15 Cent weniger. Eine Preissteigerung von stolzen 17,65%, die durchaus zu Recht einmal angeprangert werden sollte. Doch zurück zum Produkt.

Laut offiziellen Angaben der Deutschen Post gehört dieser schicke Portoaufkleber zur Dauerserie "Blumen", also quasi der Lindenstraße unter den Briefmarken. Das vorliegende Motiv wurde von Stefan Klein und Olaf Neumann aus Iserlohn entworfen, was mir ein wenig suspekt vorkommt. Denn wer schon einmal in Iserlohn war, der weiß, dass diese auch als „Zweifarbige Herzblume“ oder „Herzstockerl“ bekannte Lamprocapnos spectabilis dort de facto NICHT vorkommt. Ich meine sogar, damals überhaupt keine Zierpflanzen gesehen zu haben. Möglicherweise verwechsle ich das jetzt aber auch mit Dortmund oder Chemnitz. Und es ist auch schon ein paar Jahre her. Vermutlich haben sich die Zustände Verhältnisse, wo auch immer, zum Besseren verändert. Ich kann es nur hoffen.

Was nun aber die Herkunft des Gewächses angeht, hilft Wikipedia weiter:>Das Tränende Herz kommt in Korea sowie im Norden und Westen der Volksrepublik China in lichten, feuchten Berg-Laubwäldern in Höhenlagen von 30 bis 2400 Meter vor. Also ein sehr vielseitiges Pflänzchen, zumindest was das Vorkommen angeht. Auf eine Briefmarke gedruckt dient es nämlich nur einem einzigen Zweck: der Freimachung von Büchersendungen bis 500 Gramm! Um es aber nicht zu einfach zu machen, müssen folgende Einschränkungen zusätzlich mit ins Kalkül einbezogen werden: Sollte die Sendung nämlich die Maße 10-35,3 x 7-30 x 15 cm (L x B x H) unter- oder überschreiten ist es Essig mit dem Draufpappen der Marke. Egal ob angeleckt oder gewässert. Wo wir auch schon bei einem der zentralen Punkte der heutigen Produktbesprechung wären. Dem Geschmack der Klebeseite.

Hier muss ich mich auf die Aussage meiner Frau verlassen, die nicht nur die Bücher schreibt, die es dann in handsignierter Version zu versenden gilt, sondern auch für die Anbringung der Marke auf dem Umschlag zuständig ist. Nicht, dass ich dazu rein körperlich nicht auch in der Lage wäre, doch mein Speichel und die Briefmarken der Deutschen Post sind leider nicht kompatibel. Will heißen, jede Marke, die ich anlecke und auf einen Briefumschlag klebe, lässt spätestens 14 Sekunden (handgestoppt) danach die Flügel hängen, klappt die Ecken nach oben und ploppt dann vollkommen geräuschlos vom Trägerpapier. Und um auf die Geschmacksrichtung der Marke „Tränendes Herz“ zurückzukommen, zitiere ich hier meine Angetraute: „Ekelhaft!“ Aber was will man für einen Euro schon erwarten. Eine selbstklebende Variante oder Erdbeergeschmack würde den Preis vermutlich noch weiter in die Höhe treiben.

Mein persönliches Fazit:

Ein optischer Hingucker mit wenig Raum für kreative Verwendung. Selbst als gerahmtes Kunstwerk nicht wirklich sinnvoll, weil zu klein. Dank für mich untauglicher Klebeseite aber eine hervorragende Vermeidung von ungewollten DNA-Proben. Und sind wir mal ehrlich, wer putzt einer Briefmarke schon die Zähne?

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Die Briefmarke „Tränendes Herz“ ist zum Preis von 1,00 € in allen Postfilialen erhältlich, sofern sich noch eine davon in ihrer Nähe befindet.

Frisch getwittert!

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